Millenniums-Entwicklungsziele

UN-Bericht weist Weg zu nachhaltigen Entwicklungszielen

Eine bunte Strichzeichnung mit Pfeilen, die auf den Text zeigen

„2015 – Zeit für ein globales Handeln für die Menschen und für den Planeten.“ So werben die Vereinten Nationen für den Übergang zu neuen nachhaltigen Entwicklungszielen. Illustration: UN/DPI

„Nie zuvor haben so breite und inklusive Konsultationen zu Entwicklungsthemen stattgefunden. Innerhalb von knapp zwei Jahren haben Mitgliedsstaaten, UN-System, Experten, ein Querschnitt der Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Millionen Menschen aus allen Teilen der Welt kreativ und mit dem Bewusstsein für eine gemeinsame Aufgabe zusammengewirkt.“ 

So hat UN-Generalsekretär Ban Ki-moon den Prozess beschrieben, der am 6. Dezember 2014 zur Veröffentlichung der vorläufigen Fassung seines Berichtes „Der Weg zur Menschenwürde bis 2030“ führte. Der Untertitel des Berichts formuliert bereits wesentliche Ziele: „Die Armut beenden, das Leben aller umgestalten und den Planeten schützen“.

Der Bericht wird die Grundlage bilden für die weiteren Verhandlungen über die Nachhaltigkeitsagenda der Vereinten Nationen, die 2015 verabschiedet werden soll. Ban Ki-moon hat die bisherigen vielfältigen Überlegungen und Vorschläge für „Nachhaltige Entwicklungsziele“ (Sustainable Development Goals, SDGs) in seinen Synthesebericht integriert.

In den Bericht ist zum Beispiel auch eingeflossen, welche Prioritäten für eine nachhaltige Entwicklung junge Leute in den UN-Mitgliedsländern auf der Internetplattform „My World Survey“ zum Ausdruck gebracht haben. 

Ziele für die nächsten eineinhalb Jahrzehnte

Besondere Bedeutung kommt den Vorschlägen der „Offenen Arbeitsgruppe der UN“ (UN Open Working Group) zu, die im Auftrag der Vereinten Nationen eine Liste von Zielen erarbeitet hat, die bis 2030 erreicht werden sollen. Zu den Zielen gehören u. a. ein Ende von Armut und Hunger, Gesundheitsversorgung und Bildung für alle, nachhaltige Wasser- und Sanitärversorgung, Abbau von Ungleichheiten, Schutz und nachhaltige Nutzung der Ökosysteme und ein entschlossenes Handeln gegen den Klimawandel und seine Folgen.

Der UN-Generalsekretär betont, dass die von der „Offenen Arbeitsgruppe“ formulierten Ziele eine wichtige Grundlage der weiteren Beratungen bilden sollen. Er selbst hat in seinem Bericht sechs konzeptionelle Orientierungspunkte für die weiteren Beratungen formuliert:  

  • Würde als unverzichtbares Element jeder menschlichen Entwicklung, 
  • Partizipation aller Menschen, 
  • Wohlstand für alle als Ziel der Weltwirtschaft, 
  • Schutz der Erde angesichts von Klimawandel und bedrohten Ökosystemen, 
  • Gerechtigkeit in sicheren und friedlichen Gesellschaften sowie 
  • Partnerschaft als Grundlage globaler Zusammenarbeit und Solidarität. 

Der UN-Generalsekretär hebt besonders die Bedeutung der Menschenrechte und internationalen Normen hervor, die den Rahmen für nationale Antworten auf unterschiedliche Bedürfnisse in den jeweiligen Kontexten bilden.

Die Vorschläge für die nachhaltigen Entwicklungsziele bauen auf den „Millenniums-Entwicklungszielen“ auf, die im Jahre 2000 von den Staats- und Regierungschefs aus aller Welt in New York verabschiedet wurden. Bis zum Jahre 2015 soll zum Beispiel der Anteil der Armen an der Bevölkerung der Entwicklungsländer halbiert werden. Nicht alle Ziele werden bis zum nächsten Jahr erreicht werden, vor allem aber sind die Erfolge der einzelnen Länder und Weltregionen sehr unterschiedlich. In Afrika südlich der Sahara werden zahlreiche Länder eine größere Zahl von Zielen nicht bis Ende 2015 umgesetzt haben, während in Ostasien auf vielen Gebieten große Erfolge erzielt wurden. Außerdem hat sich gezeigt, dass viele wichtige Zielsetzungen einer umfassenden und nachhaltigen Entwicklung in der Liste der Millenniums-Entwicklungsziele fehlen. 

Zu viele Ziele für die Weltgemeinschaft?

Dass die „Offene Arbeitsgruppe“ eine Liste von 17 Zielen und 169 Zielvorgaben aufgestellt hat, ist auf Kritik gestoßen. Zwar werden damit viele Anliegen aufgenommen, die für eine umfassende nachhaltige Entwicklung wichtig sind. Aber es wird befürchtet, dass es besonders den armen Ländern schwer fallen wird, ihre Politik an so vielen Zielen auszurichten. Auch wird vorhergesagt, dass eine so lange Liste von Zielen und Zielvorgaben der Weltöffentlichkeit nicht zu vermitteln sein wird. Der britische Premierminister David Cameron hat im September 2014 vor der UN-Generalversammlung dafür plädiert, statt 17 maximal 12 Ziele zu vereinbaren. Andernfalls bestehe „die reale Gefahr, dass sie nur im Bücherregal landen und bald mit einer Staubschicht bedeckt sein werden“. 

Konzentriert gestikulierend redet Amina Mohammed
Amina J. Mohammed, Sonderbeauftragte des UN-Generalsekretärs für die Entwicklungsplanung, hält die Beseitigung von Ungleichheiten für eine der wichtigsten Entwicklungsaufgaben der nächsten Jahre. „Es muss uns große Sorge bereiten, dass sich die Ungleichheiten in den einzelnen Ländern der Welt und zwischen ihnen weiterhin vertiefen.“ Foto: UN Photo/Devra Berkowitz

Demgegenüber betont Amina J. Mohammed, die Sonderbeauftragte des UN-Generalsekretärs für die Entwicklungsplanung in der Zeit nach 2015, was man aus den Erfahrungen mit den Millenniums-Entwicklungszielen gelernt hat: „Wir haben erkannt, dass dieser Weg, die gewaltigen, komplexen Herausforderungen anzugehen, nicht nachhaltig war. Und deshalb strebt die nachhaltige Entwicklungsagenda in der Tat nach einer breiteren und tieferen Antwort auf die Herausforderungen, vor denen wir stehen. Auch berücksichtigt diese Antwort die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Dimensionen, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen.“ Die UN-Sonderbeaufragte hebt auch hervor, dass die neuen Ziele sich nicht damit begnügen, den Anteil der Menschen zu vermindern, die mit Armut, Hunger etc. konfrontiert sind. Alle sollen von diesen Problemen befreit und niemand zurückgelassen werden.

Aufgaben für die nächsten Jahre

Hervorzuheben ist, dass sich die Weltgemeinschaft mit den Nachhaltigen Entwicklungszielen erstmals auf ein 15-Jahresprogramm verständigen will, zu dem jedes Land innerhalb seiner Grenzen einen Beitrag leisten muss. Das gilt auch für die in der OECD zusamengeschlossenen Industriestaaten, die sich nicht auf die Bereitstellung von Entwicklungshilfe beschränken können.

Ende Dezember 2014 wird die endgültige Fassung des Syntheseberichts des UN-Generalsekretärs vorliegen. Im Juli 2014 soll die Debatte über die nachhaltigen Entwicklungsziele eine wichtige Rolle bei der internationalen Konferenz zur Entwicklungs-Finanzierung in Addis Abeba spielen. Im September 2014 sollen die Ziele dann von der UN-Generalversammlung verabschiedet werden. Sie können dank dieser Zeitplanung auch eine wichtige Grundlage für die endgültige Formulierung des neuen internationalen Klimaabkommens auf der UN-Klimakonferenz in Paris im Dezember 2015 bilden. 

Reaktionen von Entwicklungs- und Umweltorganisationen

Der WWF Deutschland würdigt den Bericht des UN-Generalsekretärs als entschlossenes Signal, dem es allerdings an entscheidenden Stellen noch an Konkretisierung fehle. „Die Erklärung trifft den richtigen Ton, bleibt aber an wichtigen Punkten zu vage“, bemängelt Eberhard Brandes, Geschäftsführender Vorstand des WWF Deutschland. Der WWF fordert, die Wirtschaft stärker in die Verantwortung zu nehmen, ebenso eine differenziertere Sicht auf die Wachstumsfrage. „Der Erfolg der globalen Agenda hängt davon ab, ob es gelingt, eine wirkliche Umgestaltung der globalen Wirtschaftsabläufe zu schaffen, die sich an den ökologischen Grenzen des Planeten ausrichtet." Dies komme im Bericht des UN-Generalsekretärs zu kurz.

Helen Dennis, Beraterin der britischen Entwicklungsorganisation „Christian Aid“, nimmt eine positivere Bewertung vor: „Der neue Bericht ist äußerst willkommen, weil er die Regierungen dazu aufruft, gemeinsam große Ambitionen mit den neuen globalen Entwicklungszielen zu verknüpfen. Der Bericht macht zu Recht deutlich, dass ein ‚weiter so‘ keine Option ist und betont auf sachgerechte Weise die Bedeutung einer gerechten und nachhaltigen Entwicklung.“

Michael Elliott, der Präsident der Advocacy-Organisation ONE, hebt hervor: „Der Bericht des UN-Generalsekretärs ist ein willkommener Anschub für den Kickstart der globalen Anstrengungen, die extreme Armut bis 2030 zu beseitigen. Wir schließen uns seinem Ruf nach einem ambitionierten Plan zur Finanzierung des nächsten Entwicklungs-Kapitels an.“

Die vorläufige Fassung des Berichts von Ban Ki-moon können Sie als pfd-Datei auf dem UN-Portal für nachhaltige Entwicklung herunterladen. 

(Frank Kürschner-Pelkmann)

Das könnte Sie auch interessieren

  • Thomas Pogge

    Die MDGs sind moralisch ein Skandal

    Ihren propagandistischen Zweck haben die Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) wohl erfüllt. Aber das Weltproblem von Armut, Ungleichheit und Unterdrückung haben sie nur weiter zementiert. Laut Weltbank fiel zwar die Anzahl derer, die täglich weniger haben, als man im Jahr 2005 mit 2,5 US-Dollar in den USA kaufen konnte, um 558 Millionen in China, aber im Rest der Welt stieg sie um 235 Millionen… mehr

  • Prominente zeigen Gesicht für die UN-Millenniumsziele

    „Diese Politik kostet Menschen das Leben,“ sagt Schauspieler Benno Fürmann. Mit Stargeiger David Garrett engagiert Fürmann sich für die Millenniumentwicklungsziele der Vereinten Nationen, mit denen 189 Staats- und Regierungschefs im Jahr 2000 versprochen haben, Armut und Hunger bis 2015 drastisch zu verringern. In gut vier Wochen bilanzieren die Vereinten Nationen auf dem Weltarmutsgipfel in New… mehr

  • Weniger Armut, aber noch viel Hunger in der Welt

    Die Zahl der Menschen, die in extremer Armut lebt, hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten drastisch vermindert. Das ist ein positives Ergebnis des UN-Berichts „Millenniums-Entwicklungsziele 2012“ der Vereinten Nationen. mehr