Millenniums-Entwicklungsziele

Ein Schlüssel für die Lösung von Entwicklungsproblemen

Auf einer breiten Sandpiste schleppen Frauen und Kinder große Wasserkanister

Noch ist es ein weiter Weg, bis alle Menschen wie diese Frauen im Sudan einen Zugang zu sauberem Wasser in der Nähe haben. UN Photo/Olivier Chassot

„Der fehlende Zugang zu einer Wasser-, Sanitär- und nachhaltigen Energieversorgung verstärkt Armut, Gesundheitsprobleme, Sterblichkeit und Genderungleichheit um eine Vielfaches“, betonte John Ashe, der Präsident der UN-Generalversammlung, bei der Eröffnung einer Debatte  des Gremiums am 18. und 19. Februar 2014 in New York. 

Auf Initiative von John Ashe beschäftigten sich die Vertreterinnen und Vertreter der 193 UN-Mitgliedsstaaten mit den Entwicklungszielen Wasser, Sanitärversorgung und Energie. In den nächsten Monaten wird sich die UN-Generalversammlung mit weiteren nachhaltigen Entwicklungszielen befassen, die die Weltgemeinschaft von 2015 an erreichen will. 

John Ashe verwies bei der Eröffnung der Beratungen darauf, dass weiterhin 783 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, 2,5 Milliarden Menschen keine adäquate Sanitärversorgung und 1,4 Milliarden Menschen keinen Zugang zu Elektrizität. Dies habe zur Folge, dass auch andere Entwicklungsziele nicht erreicht werden könnten. „Deshalb fordere ich Sie heute auf, einen stärker integrierten Ansatz zur Problemlösung zu finden, damit wir auf beste Weise mit diesem Entwicklungs-Nexus umgehen können.“ 

Wasser: ein Menschenrecht, aber keine Selbstverständlichkeit

Wie komplex die Probleme des Zugangs zu sauberem Wasser sein können, wurde durch den Diskussionsbeitrag von Pulod Muhiddinov deutlich, dem Vizeminister für Energie- und Wasserressourcen von Tadschikistan. Das zentralasiatische Land zeichnet sich durch große Wasserressourcen aus. Trotzdem haben nur 57 Prozent der Einwohner einen Zugang zu sauberem Wasser, in den ländlichen Gebieten sind es sogar nur 40 Prozent. 

Pulod Muhiddinov fürchtet, dass sich die Probleme noch verschärfen könnten: „Abschließend möchte ich ihre Aufmerksamkeit auf die Auswirkungen des Klimawandels lenken, die auch einen Einfluss auf unsere Wasserressourcen haben. So sind in den letzten Jahrzehnten die Gletscher Tadschikistans um 30 Prozent zurückgegangen, und diese Entwicklung setzt sich fort.“ Zugleich habe sein Land in den letzten Jahren verstärkt Extremwetterereignisse erlebt, die große Schäden verursacht hätten. Die Notwendigkeit von Anpassungsmaßnahmen an den nicht mehr zu vermeidenden Klimawandel und nachhaltigen Lösungen für sich verschärfende Wasserprobleme wurde in der Debatte in New York auch von anderen Sprecherinnen und Sprechern betont. 

Claudio Rossell, der Vertreter Boliviens bei den Vereinten Nationen, betonte im Namen der „Gruppe der 77 und China“ das Menschenrecht auf Wasser, das von der UN-Generalversammlung anerkannt worden ist. Er hob außerdem hervor: „Die Herausforderung beim Thema Wasser geht über den Zugang zu Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene hinaus. Die vitale Bedeutung des Wassers für unseren Lebensraum sowie das Überleben von Tier- und Pflanzenarten und die Existenz der Menschen ist in der ‚Erklärung von Muskat zum Wasser‘ anerkannt worden.“ Diese Erklärung hatten die für Wasserfragen zuständigen Minister der „Gruppe der 77 und China“ 2009 in Muskat/Oman verabschiedet. Der bolivianische Botschafter verwies damit auf einen Schwachpunkt vieler Wasserdebatten, die den Bedarf von Pflanzen und Tieren vernachlässigen und so nachhaltige Lösungen aus dem Blick verlieren.

UN Water hat zur Debatte der Generalversammlung in einem umfangreichen Papier herausgearbeitet, warum die „Sicherstellung eines nachhaltigen Zugangs zu Wasser für alle“ in den Katalog der nachhaltigen Entwicklungsziele aufgenommen werden muss. 

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und der Präsident der UN-Generalversammlung John Ashe
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und der Präsident der UN-Generalversammlung John Ashe setzen sich entschlossen dafür ein, dass die Ziele der Wasser-, Sanitär- und Energieversorgung für alle Menschen rasch verwirklicht werden. Foto: UN Photo/Paulo Filgueiras

Sanitärversorgung: eine oft vernachlässigte Aufgabe

Als Vertreter der Zivilgesellschaft wies Girish Menon von WaterAid in der UN-Debatte darauf hin, dass jeder Dollar, der in die Sanitärversorgung investiert wird, wirtschaftliche Vorteile von 5 bis 8 Dollar erbringt. „Kein Dorf, keine Stadt und kein Land haben jemals die Armut überwunden, ohne zunächst einmal Wasser- und Sanitärversorgung sowie Hygiene zu verbessern.“

Der Zugang zu einer Sanitärversorgung unterscheidet sich regional und sozial sehr stark, betonte Girish Menon in einem Pressegespräch. In Afrika haben gegenwärtig nur 30 Prozent der Menschen einen Zugang zu einer angemessenen Sanitärversorgung. Das sind nur 4 Prozent mehr als im Jahre 1990. Um so beunruhigender sei es, dass die Entwicklungsgelder für das Erreichen der Millenniums-Entwicklungsziele der Halbierung des Anteils der Menschen ohne eine Wasser- und Sanitärversorgung von 2009 bis 2011 um eine Milliarde Dollar zurückgingen, zum Teil als Folge der internationalen Finanzkrise. Zwar würden die Mittel wieder steigen, aber seien weiterhin unzureichend, um die Ziele bis 2015 zu erreichen. 

Energie: nachhaltige Versorgung für alle gefordert

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon betonte während der Beratungen in New York: „Eine bezahlbare und zuverlässige Energieversorgung ist unverzichtbar für die Beseitigung von Armut, zur Verbesserung der Gesundheitssituation und zu Erhöhung des Lebensstandards.“ Er verwies darauf, dass der Energiebedarf der Weltbevölkerung bis 2030 um 50 Prozent steigen wird. Ban Ki-moon erinnerte daran, dass die Vereinten Nationen 2011 die Initiative „Nachhaltige Energie für alle“ gestartet haben. 

Francis Zinsou, der Vertreter des westafrikanischen Benin bei der UNO, plädierte dafür, Energie für alle in die Liste der nachhaltigen Entwicklungsziele aufzunehmen. Dieses Ziel besitzt eine große Bedeutung „für die soziale Inklusion, Genderbeziehungen und angesichts der Notwendigkeit, die ärmsten Teile der Bevölkerung mit Energie zu versorgen und dies besonders in isolierten ländlichen Gebieten“.

Umfassende Lösungen unverzichtbar

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon stellte während der Beratungen in New York den engen Zusammenhang der Lösung der Wasser- und der Energieprobleme heraus: „Die enge Verbindung zwischen Wasser und Energie erfordert kohärente und integrierte politische Konzepte und innovative Strategien. Wir müssen Wasser auf eine gerechte und effiziente Weise einsetzen, um Energie zu erzeugen, damit alle Nutzer einen fairen Anteil bekommen – am Oberlauf und am Unterlauf von Flüssen und in allen Sektoren.“ 

Einig war man sich in der UN-Generalversammlung, dass der Zugang zu Wasser, Sanitärversorgung und Energie und ihre Verbindungen einen Schlüssel für eine umfassende nachhaltige Entwicklung bilden und die Vereinten Nationen bei der Umsetzung dieser Einsichten eine wichtige Rolle spielen müssen. Der bereits zitierte der UN-Vertreter Boliviens, Claudio Rossell, betonte in der Debatte im Namen der Entwicklungsländer: „Das System der Vereinten Nationen spielt eine wichtige Rolle dabei, diese Probleme zu lösen, indem es die Anstrengungen der Länder und Institutionen unterstützt, die Fortschritte beim Management der Wasser- und Energieressourcen zu beschleunigt.“

Der Weltwassertag 2014 am 22. März wird das Thema „Wasser & Energie“ haben. 

UN Water hat hierzu (auf Englisch) Informationen zusammengestellt. 

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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