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Deutschland als Vorreiter in der Klimapolitik?

UN-Gespräch mit Richard Kinley (UN-Klimasekretariat), Rolf Stahlhofen (UN-Habitat Botschafter), Sönke Kreft (Germanwatch), Daniel Cerkasin (BIMUN), Rüdiger König (UN-Beauftragter im Auswärtigen Amt), v.l.n.r. (Foto: CK)

"Es ist Zeit, was zu ändern" stimmte Rolf Stahlhofen musikalisch auf das UN-Gespräch zum Tag der Vereinten Nationen in Bonn ein. Stahlhofen ist nicht nur Gründungsmitglied der Band "Söhne Mannheims", sondern auch UN-Habitat Botschafter zum Thema Wasser. "8:0 für Entwicklung – Wasser verbindet" lautete das Motto des diesjährigen Tages der Vereinten Nationen am 19. Oktober.

Das UN-Gespräch am Vorabend des UN-Tages machte nicht nur die Bedeutung der Wasser- und Sanitärversorgung für jeden einzelnen Menschen und für eine nachhaltige Entwicklung deutlich, sondern warf – drei Wochen nach Veröffentlichung des fünften Berichts des Weltklimarates – vor allem Schlaglichter auf die internationale Klimapolitik. "Der Klimabericht ist kein Sachstandsbericht, sondern ein Ultimatum für die Menschheit", so der Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch.

Ebenfalls drei Wochen sind es noch bis zur nächsten UN-Klimakonferenz, die vom 11. bis 22. November 2013 in Warschau stattfinden soll. Richard Kinley, stellvertretender Leiter des Klimasekretariates der Vereinten Nationen, machte den Stellenwert der anstehenden Verhandlungen deutlich. Es seien ernste Verhandlungen zwischen Regierungen, die höchst unterschiedliche Interessen hätten. Die Warschauer Konferenz werde zwar kein "Big Bang Event" wie die Klimakonferenz von Kyoto, doch im Jahr 2015 in Paris stehe wieder eine derart bedeutungsvolle Konferenz an. Bis dahin soll ein neues Klimaschutzabkommen ausgehandelt sein. Das gilt es jetzt vorzubereiten. In Warschau werde es darum gehen, von höflicher Konversation zu verbindlichen Vereinbarungen zu kommen.

Die Rolle Deutschlands

"Nächstes Jahr müssen die Klimaschutzversprechen auf den Tisch gelegt werden", so Sönke Kreft, Teamleiter Internationale Klimapolitik bei Germanwatch. Deutschland sei in den Klimaverhandlungen eines der progressiveren Länder. Allerdings, so betont Kinley, verhandle Deutschland auf internationaler Ebene natürlich als Teil der EU, leiste aber wichtige Beiträge zum Beispiel in der Entwicklungszusammenarbeit und auch zum Klimafonds der Vereinten Nationen (Green Climate Fund).

Die deutsche Energiewende werde international als Modell angesehen, meint Kinley. Das bestätigte auch Botschafter Rüdiger König, Beauftragter für die Vereinten Nationen und Menschenrechte im Auswärtigen Amt: "Viele Länder schauen auf Deutschland, ob die Energiewende gelingt." Deutschland werde als treibende Kraft wahrgenommen.

Gefahr Klimamigration

Der Klimawandel ist in vielen Ländern schon heute spürbar. Sönke Kreft, dessen Organisation Germanwatch zivilgesellschaftliche Akteure in vom Klimawandel betroffenen Ländern unterstützt, stellte fest, dass Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen dort schon stattfinden, aber oft schlecht koordiniert seien.

Im Auswärtigen Amt ist auch die zu erwartende Migration aufgrund des Klimawandels bereits ein Thema. Die Auswirkungen seien aber schwierig zu prognostizieren, sagte König. Doch wenn in Neuseeland ein Klimaflüchtling aus Kiribati um Asyl bittet, dann ist kein Thema der Zukunft, so Sönke Kreft. Schon heute stelle sich die Frage nach Umsiedlungen, z.B. in Fidschi. Auch wenn das Ziel einer Erderwärmung vom maximal zwei Grad erreicht werden sollte, bedeutet das gravierende Veränderungen.

Vom Problembewusstsein zum Lösungsbewusstsein

Um den Schwung beim Klima-Thema zu erhalten, sprach Stahlhofen sich dafür aus, im Sinne einer auf Werten basierenden Bildung mehr mit Jugendlichen zu arbeiten. Daniel Cerkasin als Vertreter der jungen Generation und Vorsitzender der Bonn International Model United Nations (BIMUN) wies darauf hin, dass es bei jungen Leuten ein hohes Umweltbewusstsein gebe. Er äußerte jedoch seine Sorge über die Ambivalenz, mit der die Staaten an das Thema herangingen – und das obwohl doch ein moralischer Konsens bestehe.

Kinley drängte darauf, den Fokus auf die Verringerung von Emissionen zu legen. "Alle Akteure müssen sehen, dass sie ihre Emissionen reduzieren", so Kinley. Wo sie dabei ansetzen, sei ihnen jedoch selbst überlassen. Auf keinen Fall aber dürfe man an der Vergangenheit festhalten, denn sonst sei man für die Zukunft nicht gewappnet. 

Christina Kamp

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