Internationales Jahr der Wasserkooperation Millenniums-Entwicklungsziele

Wassergipfel in Budapest

„Auch der Klimawandel wird das Angebot an sauberem Trinkwasser weiter schwinden lassen“, so UN-Generalsekretär Ban Ki-moon während seiner Eröffnungsrede in Budapest. UN Foto: Paulo Filgueiras

„Auch der Klimawandel wird das Angebot an sauberem Trinkwasser weiter schwinden lassen“, so UN-Generalsekretär Ban Ki-moon während seiner Eröffnungsrede in Budapest. UN Foto: Paulo Filgueiras

Die Nachfrage nach sauberem Trinkwasser wird in den kommenden 15 Jahren weiter stark steigen. Ändert sich nichts, wird das noch zur Verfügung stehende Wasser nur 60 Prozent des weltweiten Bedarfs decken können. Ban Ki-moons einleitende Kernbotschaft wurde von vielen Teilnehmern des Budapester Wassergipfels (Budapest Water Summit) als eindeutige Warnung interpretiert. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen war gekommen, um den Gipfel gemeinsam mit dem gastgebenden ungarischen Präsidenten János Áder zu eröffnen.

Mehr als 1.500 Teilnehmer diskutierten vom 8. bis 11. Oktober drängende Fragen zu verschiedenen Themen rund ums Wasser. Leitmotiv des Gipfeltreffens war die Rolle von Wasser und Sanitäreinrichtungen in der Post-2015 Agenda. Bereits während des UN-Weltgipfels für nachhaltige Entwicklung (Rio+20) wurde beschlossen, den Fortschritt bei der Entwicklung neuer nachhaltigen Entwicklungsziele regelmäßig zu überprüfen. Der zum Teil hochrangig besetzte Gipfel in Budapest bot dazu nun erneut Gelegenheit.

Wenig Zeit, viel Verschwendung

„Wasser ist der Schlüssel für nachhaltige Entwicklung. Wir brauchen es für unsere Gesundheit, als Nahrungsmittel und für wirtschaftliche Entwicklung“, so Ban Ki-moon. Adressiere man nicht den vielerorts verschwenderischen Umgang mit Wasser, würden die Auswirkungen beunruhigend sein. „Bis 2030 könnten fast 50 Prozent der Weltbevölkerung unter Wassermangel leiden. Der Bedarf an Wasser wird dann das Angebot um 40 Prozent übersteigen“, erklärte der UN-Generalsekretär. In Subsahara-Afrika ist dies bereits heute Realität. In den meisten Städten südlich der Sahara haben sogar 80 Prozent der Einwohner keinen Zugang zu sauberem Wasser. Verschwendung und Missmanagement kommt vielen Menschen bei der Ressource Wasser besonders teuer zu stehen. „Die Menschheit hat in den vergangenen fünf Jahrzehnten mehr Ressourcen verbraucht als in den 5000 Jahren zuvor", ergänzte Ungarns amtierender Präsident János Áder.

1.1 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Mehr als doppelt so viele leben ohne einfachste sanitäre Anlagen. UN Foto: Kibae Park
1.1 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Mehr als doppelt so viele leben ohne einfachste sanitäre Anlagen. UN Foto: Kibae Park

Auch die Auswirkungen fehlender sanitärer Anlagen sollten nicht unterschätzt werden. Weltweit leiden 2,5 Milliarden Menschen unter ungeklärten Abwässern. Selbst wenn Toiletten mit Wasserspülung vorhanden sind, wird das Abwasser oft ungeklärt in Flüsse und Seen geleitet. Mit diesem Wasser kommen dann wiederum Menschen in Kontakt, die darauf angewiesen sind, beispielsweise um sich zu waschen. Oft ruft dies Durchfallerkrankungen hervor, die auch heute noch die zweithäufigste Ursache für Todesfälle von unter Fünfjährigen sind.

Keine konkreten Ergebnisse

Der Einladung Ungarns folgte eine Vielzahl von hochrangigen Persönlichkeiten. Dazu gehörten Benedito Braga, Präsident des Weltwasserrates, Irina Bokova, UNESCO-Generalsekretärin und Margaret Chan, Direktorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Mit konkreten Ergebnissen hat jedoch schon vorher niemand gerechnet. Im Abschlussdokument, der Budapest Erklärung, werden lediglich fünf Kernprobleme im nachhaltigen Umgang mit Wasser wiederholt und erneut die Forderung aufgestellt, dem Thema Wasser in der Post-2015 Agenda ein eigenes messbares Nachhaltigkeitsziel zu widmen. Konkrete Umsetzungspläne, wie man gute Wasserbewirtschaftung fördern oder neue private und öffentliche Finanzierungsmechanismen entwickeln kann, blieben aus.

Zeitgleich zu den verschiedenen Panels des viertägigen Gipfels befasste sich ein Jugend- und Wissenschaftsforum mit der Frage des universellen Zugangs zu Wasser. Auch ein Forum der Zivilgesellschaft diskutierte unter anderem die nachhaltige Wasserbewirtschaftung in Entwicklungsländern. Zudem wurden die Gewinner des Stockholm Junior Water Prize 2013 präsentiert. Naomi Estay und Omayra Toro aus Chile erhielten die Auszeichnung für ihre Arbeit über lebende Organismen und ihre Fähigkeit Ölverschmutzungen zu beseitigen.

Durch seine Lage am zweitlängsten Fluss Europas war Budapest als Tagungsort zwar geradezu prädestiniert dafür, Themen zu Wasser und internationaler Wasserkooperation zu diskutieren. (Die Donau fließt durch ca. zehn Länder. Neun weitere liegen in ihrem Einzugsgebiet.) Als Highlight des Internationalen Jahres der Wasserkooperation konnte der Wassergipfel sich jedoch nicht auszeichnen. Im Gegenteil. Der Wunsch vieler Konsumenten, die Trinkwasserversorgung von privaten zurück in öffentliche Hände zu legen, wurde nicht diskutiert. Mit überwiegend Teilnehmern aus Internationalen Organisationen, Nichtregierungsorganisationen und der Privatwirtschaft, zu der als Panelist auch Nestlés Vizepräsident Herbert Oberhänsli gehörte, stellt sich vielmehr die Frage, ob nicht zukünftig weniger mit den Profiteuren des Geschäfts, als mit den betroffenen Gemeinden vor Ort diskutiert werden sollte.

Zum Themenschwerpunkt Internationales Jahr der Wasserkooperation

Wasser in der Post-2015-Entwicklungsagenda: Der lange Weg zu nachhaltigen Entwicklungszielen

Florian Demmler

 

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