1. Beseitigung der extremen Armut und des Hungers

Bis 2015 den Anteil der Menschen halbieren, deren Einkommen weniger als ein US-Dollar pro Tag beträgt.

Der Kampf gegen die Armut gehört zu den wichtigsten Millenniums-Entwicklungszielen. Menschen, die in absoluter Armut leben, haben kaum Aussicht, dass ihre Menschenrechte und ihr Recht auf ein Leben in Würde gewahrt werden. Die übrigen Entwicklungsziele sind nicht zu verwirklichen, wenn Menschen wegen ihrer extremen Armut um ihr Überleben fürchten müssen.

Die Millenniums-Zielvorgabe ist erreicht, doch leben immer noch 1,2 Milliarden Menschen in extremer Armut

Deshalb hat das Ziel der Halbierung der Armut einen so hohen Stellenwert in der Entwicklungsziel-Diskussion. Vor allem dank des hohen Wirtschaftswachstums in Schwellenländern wie China verminderte sich die Zahl der Menschen in Entwicklungsländern, die mit weniger als 1,25 US-Dollar leben mussten, zwischen 1990 und 2010 von 47 % auf 22 % der Bevölkerung. 

Damit ist das Millenniums-Entwicklungsziel global betrachtet 2010 erreicht worden, aber es bestehen weiterhin große regionale Unterschiede. In Südostasien sank der Anteil der Armen an der Bevölkerung von 45 % im Jahre 1990 auf 14 % im Jahre 2010. Noch stärker verminderte sich die Armut in China. Auch Lateinamerika hat das Ziel der Halbierung des Anteils der Armen umgesetzt. Demgegenüber sank der Anteil der Armen in Afrika südlich der Sahara von 1990 bis 2010 nur von 56 % auf 48 %. Afrika wird das Millenniumsziel also nicht erreichen. Südasien wird die Zielmarke vermutlich knapp überschreiten. 

Bis 2015 sollte der Anteil der Menschen halbiert werden, die Hunger leiden 

Beim Kampf gegen den Hunger in der Welt mussten in den letzten Jahren immer wieder Rückschläge hingenommen werden. 1990-1992 betrug der Anteil der unterernährten Menschen in Entwicklungsländern 24 %, 2011-2013 waren es immer noch 14 %. Weiterhin leidet jeder achte Mensch auf der Welt unter chronischem Hunger. Ihre Gesamtzahl beträgt etwa 842 Millionen.

Das Ziel der Reduzierung des Hungers ist erreichbar, wenn die Fortschritte wieder beschleunigt werden können

Das Millenniums-Entwicklungsziel wurde nur in einigen Regionen Asiens erreicht, vor allem in Ost- und Südostasien. Auch Lateinamerika und die Karibik haben das Ziel nicht verwirklichen. In Afrika südlich der Sahara, wo Erfolge im Kampf gegen den Hunger besonders wichtig wären, hat sich der Anteil der unterernährten Menschen seit 1990 lediglich von 33 auf 25 % der Bevölkerung vermindert. In Westasien ist der Bevölkerungsanteil der Hungernden und Unterernährten seit 1990 sogar gestiegen. Im UN-Bericht von 2014 wurde deshalb festgestellt: „Obwohl insgesamt Fortschritte im Kampf gegen die Unterernährung erzielt wurden, ist die Erfolgsbilanz der Regionen weiter stark unterschiedlich.“ 

Beunruhigend ist auch, dass auch in einigen Ländern, in denen kaum noch Unterernährung herrscht, weiterhin viele Kinder an Untergewicht und Wachstumshemmungen leiden. Das macht deutlich, dass neben dem Zugang zu Nahrung auch Gesundheits- und Hygienebedingungen sowie Krankheiten wie Durchfall, Malaria, HIV/Aids und Tuberkulose zu Nährstoffmangel beitragen können. Deshalb wurde angestrebt, in den betroffenen Ländern neben Verbesserungen bei der Gesundheitsversorgung und dem Zugang zu Wasser- und Sanitärversorgung auch die Qualität der Ernährung (insbesondere das Nährstoffangebot) zu erhöhen. 

2. Verwirklichung der allgemeinen Primärschulbildung

Bis zum Jahr 2015 sollte sichergestellt werden, dass Kinder in der ganzen Welt, Jungen wie Mädchen, eine Primarschulbildung vollständig abschließen können.

Ohne eine Schulbildung sind Kindern alle Möglichkeiten verschlossen, einen qualifizierten und gut bezahlten Arbeitsplatz zu finden. Fehlende Bildung verurteilt also in aller Regel zu einem Leben in Armut. Deshalb bemühen sich viele Regierungen von Entwicklungsländern sowie Entwicklungsorganisationen, zumindest einen allgemeinen Zugang zu einer Grundschulbildung zu gewährleisten.

Nach jetzigem Stand wird die Welt das Ziel der allgemeinen Grundschulbildung bis 2015 verfehlen

In Afrika südlich der Sahara hat sich zwischen 1990 und 2012 der Anteil der Kinder, die eine Grundschule besuchen, von 52 % auf 78 % erhöht. Das ist einer der größten Erfolge in Afrika auf dem Weg zum Erreichen der Millenniums-Entwicklungsziele. Auch in anderen Regionen im Süden der Welt wurden auf diesem Gebiet bedeutende Erfolge erzielt, sodass inzwischen neun von zehn Kindern im Grundschulalter eine Schule besuchen. Das Millenniums-Entwicklungsziel, dass 2015 alle Jungen und Mädchen eine Grundschule abschließen, wurde dennoch nicht erreicht. In den Regionen Ostasien, Südostasien, Kaukasus und Zentralasien sowie Lateinamerika und die Karibik hatten bis zum Jahr 2000 das Ziel einer allgemeinen Grundschulbildung annähernd erreicht, haben seither aber kaum noch weitere Erfolge erzielt. 

Es ist beunruhigend, dass mehr als ein Viertel aller Grundschulanfänger in Entwicklungsländern die Schule vorzeitig abbricht. Ein Grund dafür ist, dass die Eltern vor allem Mädchen aus der Schule nehmen, damit sie auf jüngere Geschwister aufpassen oder im Haushalt und in der Landwirtschaft mitarbeiten. Je ärmer die Familien sind, desto höher ist das Risiko, dass die Kinder vorzeitig die Grundschule verlassen. Weitere Gründe für den Schulabbruch sind die großen Klassen und eine schlechte Qualität des Unterrichts.

Zunehmend gefährden vor allem im Nahen Osten und Mittleren Osten sowie in Afrika kriegerische Auseinandersetzungen und die Flucht vor diesen Kämpfen den Schulbesuch. Von den 58 Millionen Kinder im Grundschulalter, die keine Schule besuchen, lebt die Hälfte in Konfliktregionen. Innerhalb von Ländern, die unter Bürgerkriegen leiden, gibt es große regionale Unterschiede. So haben in einer besonders von Kämpfen betroffenen Provinz des Iraks 27 % aller Kinder im Grundschulalter noch nie eine Schule besucht, in einer friedlicheren Provinz waren es hingegen nur 3 %.

3. Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und Ermächtigung der Frau

Das Geschlechtergefälle in der Primar- und Sekundarschulbildung sollte auf allen Bildungsebenen bis 2015 beseitigt werden.

In vielen Gesellschaften tendieren Eltern dazu, zunächst einmal die Jungen auf eine Schule zu schicken und erst wenn sich zusätzliche Möglichkeiten eröffnen auch die Mädchen.

Das Bild zeigt das Bildungsbeteiligungsverhältnis von Mädchen und Jungen in den Jahren 1990 und 2011, aufgeschlüsselt nach Regionen.

Die Benachteiligung der Mädchen ist dort besonders groß, wo Schulgebühren bezahlt werden müssen. In armen Familien haben Mädchen dann kaum eine Chance auf eine Schulbildung. 

Je höher die Einschulungsrate ist, desto mehr profitieren davon Mädchen. Dass inzwischen neun von zehn Kindern in Entwicklungsländern eine Grundschule besuchen, hat deshalb auch zur Konsequenz, dass der Anteil der Mädchen stark gestiegen ist. 2012 kamen auf 100 männliche immerhin 97 weibliche Grundschüler, in verschiedenen Regionen ist die Parität fast erreicht. In Afrika sind es aber nur 92 Mädchen je 100 Jungen. Auch dies ist ein deutlich besserer Wert als 1990, als die Relation 83 Mädchen zu 100 Jungen betrug. Südasien hat inzwischen eine Parität erreicht, nachdem 1990 lediglich 74 Mädchen je 100 Jungen eine Grundschule besuchten. Allerdings sind die Bildungsmöglichkeiten für Mädchen in Pakistan und Afghanistan weiterhin deutlich schlechter als die von Jungen. Demgegenüber haben in Bangladesch und Nepal die Mädchen bessere Aussichten auf eine Grundschulbildung als die Jungen.

In den Sekundarschulen in wirtschaftlich ärmeren Ländern kommen auf 100 Schüler 96 Schülerinnen, 1990 waren es lediglich 77 Schülerinnen gewesen. In Lateinamerika und der Karibik, Ostasien und Südostasien ist der Mädchenanteil etwas höher als der der Jungen. In Afrika, Ozeanien, Westasien und Südasien gibt es allerdings auch nach dem Ablauf der MDGs noch einen großen Nachholbedarf. Neben der Einstellung vieler Eltern, Mädchen würden ohnehin später heiraten und Hausfrauen werden, spielt auch eine Rolle, dass in einer ganzen Reihe wirtschaftlich armer Länder weiterhin Schulgebühren für den Sekundarschulbesuch zu zahlen sind, während die Grundschulen vermehrt schulgebührenfrei sind. 

Im tertiären Bildungsbereich (Hochschulen und Universitäten) beträgt die Relation zwischen Studenten und Studentinnen 100 zu 99. Hinter dieser globalen Zahl verstecken sich große regionale Unterschiede. In Südasien beträgt die Relation 100:81, in Afrika südlich der Sahara 100:64. Mädchen haben hier also deutlich schlechtere Aussichten auf eine tertiäre Ausbildung. Demgegenüber gibt es in Lateinamerika und der Karibik 128 Studentinnen auf 100 Studenten. Auch in vielen asiatischen Ländern und in Nordafrika gibt es mehr Studentinnen als Studenten. 

Die Möglichkeiten von Frauen in Entwicklungsländern für eine Erwerbstätigkeit außerhalb der Landwirtschaft haben sich in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten deutlich verbessert. So erhöhte sich der Anteil der Frauen an den nicht selbstständig Tätigen (ohne den Landwirtschaftsbereich) in Afrika von 1990 bis 2012 von 23 % auf 33 % Prozent. In vielen Teilen Asiens hat der Anteil etwa 40 % erreicht. Demgegenüber stagniert er in Nordafrika bei 19 %, der niedrigste Wert aller Regionen.

4. Senkung der Kindersterblichkeit

Bis 2015 sollte die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren um zwei Drittel senken.

Seit 1990 konnte die Kindersterblichkeit in Entwicklungsländern deutlich gesenkt werden. Starben damals von 1.000 Lebendgeburten in den ersten fünf Lebensjahren 99, so waren es 2012 noch 53. Trotz Bevölkerungswachstum hat sich die Zahl der Sterbefälle von Kindern unter fünf Jahren von 1990 bis 2012 von etwa 12,6 Millionen auf 6,6 Millionen vermindert. Daher starben 2012 jeden Tag etwa 17.000 Kinder weniger als 1990. Trotzdem würde das Entwicklungsziel der Verminderung der Sterbefälle bei den bis zu fünf Jahre alten Kindern um zwei Drittel beim jetzigen Tempo der Verbesserungen erst 2028 erreicht. Das Ziel wurde nur in einigen Regionen erreicht, vor allem in Ostasien, Nordafrika und Lateinamerika/Karibik, Regionen, wo die Kindersterblichkeit schon 1990 relativ gering war.

Das Bild zeigt die Sterblichkeitsrate von Kindern unter 5 Jahren in den Jahren 1990 und 2011

Die meisten der 6,6 Millionen Sterbefälle bei den unter Fünfjährigen werden durch Infektionskrankheiten wie Lungenentzündung, Durchfall und Malaria verursacht, häufig gekoppelt mit Mangelernährung. 2,9 Millionen, also fast die Hälfte, der Sterbefälle treten in den ersten 28 Lebenstagen auf. Die meisten dieser Todesfälle wären zu vermeiden, vor allem durch eine bessere gesundheitliche Betreuung der Mütter während und in den ersten Tagen nach der Geburt. 

Besonders groß bleibt der Handlungsbedarf in Afrika. Im Bericht von 2014 heißt es: „Afrika südlich der Sahara steht immer noch vor einer enormen Herausforderung. Nicht nur liegt dort die Sterblichkeitsrate bei unter Fünfjährigen mehr als 16 Mal über dem Durchschnitt der entwickelten Regionen und damit weltweit am höchsten, sondern die Region ist auch die einzige, in der sowohl die Zahl der Lebendgeburten als auch der Bevölkerungsanteil der Kinder unter fünf Jahren in den kommenden 20 Jahren wohl deutlich steigen werden. 2012 erlebte jedes zehnte Kind in Afrika südlich der Sahara seinen fünften Geburtstag nicht.“

Die Kindersterblichkeit lässt sich durch relativ preiswerte Maßnahmen deutlich senken. Dazu gehören zum Beispiel Impfungen, Medikamente gegen Atemwegserkrankungen und imprägnierte Moskitonetze. Aber es sind auch Maßnahmen nötig, die einen höheren Aufwand und umfassende Entwicklungsanstrengungen erfordern, so die Überwindung von Mangelernährung. Dennoch ist es einer ganzen Reihe von Ländern mit niedrigem Prokopfeinkommen gelungen, die Kindersterblichkeit deutlich zu senken, so Äthiopien, Liberia, Bangladesch und Nepal. 

5. Verbesserung der Gesundheit von Müttern

Bis 2015 sollte die Mütter-Sterblichkeitsrate um drei Viertel gesenkt werden.

Im Jahr 1990 starben in Entwicklungsländern 430 von 100.000 Frauen bei der Geburt eines Kindes, 2013 waren es noch 230. Aber in Afrika südlich der Sahara waren es weiterhin 510 Frauen, also mehr als doppelt so viel wie im Durchschnitt der Entwicklungsländer. Demgegenüber ist in Ostasien, Südasien, Ozeanien und Nordafrika die Müttersterblichkeit um mehr als die Hälfte gesunken. 

Das Bild zeigt die Müttersterblichkeitsrate 1990, 2000 und 2010.

Die meisten Todesfälle von Frauen während der Schwangerschaft und Geburt in Afrika und anderen armen Regionen der Welt sind vermeidbar. Eine Ursache der hohen Müttersterblichkeit ist das Fehlen einer Betreuung durch medizinisches Fachpersonal bei vielen Geburten in Entwicklungsländern. Dann kann jede Komplikation tödliche Folgen haben. Besonders groß ist die Gefahr, dass die Mutter an Blutungen stirbt. Deshalb ist es erfreulich, dass 2012 bei 68 % der Geburten in Entwicklungsländern eine Fachkraft die Entbindung betreut hat. 1990 hatte der Anteil erst bei 56 % gelegen. Allerdings gibt es weiterhin große Unterschiede zwischen den Weltregionen und in vielen Staaten auch zwischen städtischen und ländlichen Gebieten sowie zwischen Arm und Reich. 

Der Anteil der Frauen in Entwicklungsländern, die während der Schwangerschaft mindestens vier Mal von medizinischem Fachpersonal betreut werden, hat sich von 37 % im Jahre 1990 auf 52 % im Jahre 2012 erhöht. In Afrika südlich der Sahara beträgt dieser Anteil 50 %, in Südasien lediglich 36 % und in Südostasien und in der Karibik sind es 80 %. Insgesamt ist die Welt auch 2015 noch weit davon entfernt, dieses Millenniums-Entwicklungsziel zu erreichen und auch die Mehrzahl der Entwicklungsländer hat es deutlich verfehlt. 

6. Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und anderen Krankheiten

Bis 2015 sollte die Ausbreitung von HIV/Aids zum Stillstand gebracht und allmählich umgekehrt werden.

2012 infizieren sich 2,3 Millionen Menschen mit dem HIV, davon 1,6 Millionen in Afrika südlich der Sahara. Der Prozentsatz von Neuinfektionen an der Bevölkerung in Entwicklungsländern hat sich von 2001 bis 2012 um mehr als ein Drittel vermindert, von 0,10 Infektionen je 100 Einwohner von 15-49 Jahren auf 0,06.

HIV-Inzidenz sinkt in den meisten Regionen stetig, doch gibt es jährlich 2,5 Millionen Neuinfektionen

In Afrika südlich der Sahara ist fast eine Halbierung dieses Wertes erreicht worden, allerdings auf einem weiterhin hohen Niveau. Dass es zu einer so hohen Zahl von Neuinfektionen kommt, liegt u. a. daran, dass trotz aller Aufklärungskampagnen das Wissen junger Leute über die Ausbreitungswege von HIV/Aids weiterhin unzureichend ist. Nur 39 % der jungen Männer und 28 % der jungen Frauen in Afrika südlich der Sahara waren 2012 umfassend über HIV informiert. Lediglich 57 % der jungen Männer und 37 % der jungen Frauen in Afrika gaben an, bei ihrem letzten Geschlechtsverkehr mit erhöhtem Risiko ein Kondom benutzt zu haben. 

Es gibt bisher keine Medikamente, die eine Heilung von HIV/Aids ermöglichen, aber eine antiretrovirale Therapie mit einer Kombination verschiedener Medikamente trägt nachweislich zu einem späteren Ausbruch von Erkrankungen und zu einer deutlich längeren Lebenserwartung bei. Auch vermindert sich das Risiko einer Übertragung der HIV-Infektion von der Mutter auf das neugeborene Kind stark, wenn die Mutter eine antiretrovirale Behandlung erhält. 

Deshalb besteht ein Schwerpunkt des internationalen Aids-Engagements darin, diese Therapie möglichst allen behandlungsbedürftigen Menschen zugänglich zu machen. In den letzten Jahren sind auf diesem Gebiet bedeutende Erfolge erzielt worden. 2012 erhielten etwa 9,5 Millionen Menschen mit HIV in Entwicklungsländern eine antiretrovirale Therapie, eine Zunahme um 1,6 Millionen Menschen innerhalb eines Jahres.

Bis 2015 sollte die Ausbreitung von Malaria und anderen schweren Krankheiten zum Stillstand gebracht und allmählich umgekehrt werden 

Die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in malariagefährdeten Gebieten. Jedes Jahr erkranken nach UN-Berechnungen 207 Millionen Menschen an Malaria, und in 627.000 Fällen verläuft diese Krankheit tödlich. Etwa 80 % aller Todesopfer sind Kinder unter fünf Jahren. Im zurückliegenden Jahrzehnt wurden beachtliche Erfolge im Kampf gegen die Malaria erzielt. Die weltweite Zahl von Todesfällen sank vom Jahr 2000 bis 2012 um 42 %. 

Anteil der afrikanischen Kinder unter fünf Jahren, die unter einem imprägnierten Moskitonetz schlafen

Als ein besonders wirksames Mittel im Kampf gegen die Krankheit haben sich imprägnierte Moskitonetze erwiesen. Deshalb ist es erfreulich, dass zwischen 2004 und 2013 insgesamt 700 Millionen dieser Netze nach Afrika südlich der Sahara geliefert wurden. Dabei gibt es aber noch, wie das Schaubild zeigt, erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. So schliefen 2012 in einer Reihe von Ländern, darunter Benin, Madagaskar und Tansania über 70 % der unter Fünfjährigen unter imprägnierten Moskitonetzen, während es in Ländern wie Nigeria und Kamerun nur etwa 20 % waren.

Diese präventive Maßnahme ist umso wichtiger, als nach dem Ausbruch der Krankheit besonders in armen Haushalten in ländlichen Gebieten der Zugang zu ärztlicher Behandlung und Medikamenten fehlt und die Krankheit vor allem bei kleinen Kindern rasch einen tödlichen Verlauf nimmt. Zu berücksichtigen ist auch, dass Malaria als Folge des Klimawandels inzwischen auch in Gebieten auftritt, die früher frei von dieser Krankheit waren, so in manchen Bergregionen Ostafrikas. Anlass zur Besorgnis liefert auch die Herausbildung von Resistenzen gegen Malariamedikamente und Insektizide. 

2012 starben etwa 1,3 Millionen Menschen an Tuberkulose. Diese Zahl sinkt seit Jahren deutlich, und es besteht Aussicht, die Sterberate wie erhofft von 1990 bis 2015 zu halbieren. 87 % aller diagnostizierten Erkrankten konnten 2012 erfolgreich behandelt werden. Aber Tuberkulose ist nach HIV weiterhin die Infektionskrankheit mit der höchsten Zahl an Todesfällen. In vielen Fällen sterben Menschen an Tuberkulose, die durch HIV geschwächt sind. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass die Ausbreitung von Tuberkulose ohne noch größere Erfolge im Kampf gegen HIV/Aids gestoppt werden kann.

7. Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit

Die Grundsätze nachhaltiger Entwicklung in Politik und Programme der Einzelstaaten aufnehmen und den Verlust von Umweltressourcen umkehren.

Emissionen von Kohlendioxid – 1990, 2009 und 2010

Viele Industrie- und Entwicklungsländer bekennen sich zumindest in öffentlichen Erklärungen zu einer nachhaltigen Entwicklung. Die Umsetzung dieser Zielsetzung wird aber durch eine ganze Reihe von Faktoren behindert. Dazu gehören in vielen Entwicklungsländern fehlende Finanzmittel, eine zu geringe Zahl von qualifizierten Fachleuten im Staatsdienst und ein zu niedriger Stellenwert der nachhaltigen Entwicklung im Vergleich zu anderen Entwicklungszielen. 

Ein wichtiger Bereich des nachhaltigen Entwicklungsengagements ist die Klimapolitik. Seit mehr als zwei Jahrzehnten hat die Begrenzung des globalen Klimawandels eine große Bedeutung in der internationalen Umweltpolitik gewonnen. Aber trotz aller Bemühungen hat sich der weltweite CO2-Ausstoß seit 1990 um fast 50 % erhöht. Zum Beitrag der Industrie- und der Entwicklungsländer zu diesem Problem heißt es im UN-Bericht: „Der durchschnittliche CO2-Ausstoß pro Kopf ist in den entwickelten Regionen mit etwa 11 Tonnen pro Person im Jahr 2011 nach wie vor erheblich höher als in den Entwicklungsregionen, wo er etwa 3 Tonnen betrug, allerdings mit erheblichen regionalen Unterschieden.“ 

Erfreulich ist in dieser Situation, dass der weltweite Verbrauch ozonabbauender Stoffe zwischen 1986 und 2013 um mehr als 98 % vermindert werden konnte. Zu diesem Erfolg haben Finanzhilfen für Entwicklungsländer zur Verminderung der Emissionen wesentlich beigetragen.

Bis 2015 sollte der Anteil der Menschen halbiert werden, der keinen nachhaltigen Zugang zu einwandfreiem Trinkwasser und grundlegenden sanitären Einrichtungen hat 

Dieses Ziel ist erreicht worden. War 1990 erst 76 % der Weltbevölkerung mit sauberem Trinkwasser versorgt, so stieg dieser Anteil bis 2012 auf 89 %. Auch die Gruppe der Entwicklungsländer hat die Zielmarke überschritten, denn hier verfügen jetzt 87 % der Menschen über sauberes Trinkwasser (1990: 70 %).

Anteil der Bevölkerung, die eine bessere Wasserquelle nutzt, jeweils für 1990 und 2011

Dies ist dem großen Engagement vieler Regierungen, Entwicklungsorganisationen und lokalen Initiativen für eine Verbesserung der Wasserversorgung zu verdanken. Trotzdem wurde dieses Millenniums-Entwicklungsziel in Afrika südlich der Sahara nicht erreicht. Dabei wären gerade hier Erfolge besonders wichtig, weil in Afrika nur 64 % der Menschen einen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Hauptgründe für die Misere sind fehlende Investitionen in bestehende Versorgungssysteme, die Vernachlässigung ländlicher Regionen und städtischer Armenviertel sowie – in wachsendem Umfang – der Klimawandel. 

Der Klimawandel führt in manchen Weltregionen wie dem südlichen Afrika zu geringeren Niederschlägen und vielerorts zu unberechenbaren, heftigen Niederschlägen, die bestehende Trinkwasserquellen verunreinigen, die ohnehin oft marode Wasserinfrastruktur zerstören und wenig zur Grundwasserbildung beitragen. 

Um den Wasserstress in den Ländern zu vermindern, sind u. a. effizientere Formen der Bewässerung erforderlich, denn bisher entfallen 70 % des menschlichen Wasserverbrauchs auf die Landwirtschaft. Mit einer effizienten Bewässerung ist es möglich, den Wasserbedarf gegenüber einer verschwenderischen Bewässerung um die Hälfte zu vermindern. Ebenso gilt es, die Schädigung der Wasserqualität durch Pestizide, Nitrate sowie Schadstoffe der Industrie zu vermindern. Nur so lässt sich der Zugang zu sauberem Trinkwasser für alle Menschen erreichen und nachhaltig sichern. 

Während das Ziel der Halbierung des Anteils der Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser zumindest auf globaler Ebene erreicht ist, wurde das parallele Ziel für die sanitäre Versorgung verfehlt. 1990 hatten lediglich 49 % der Menschen in Entwicklungsländern einen Zugang zu einer gesundheitlich unbedenklichen und angemessenen sanitären Versorgung. Bis 2012 stieg der Anteil auf 64 %, erforderlich wären aber 75 %. Die fortbestehende Misere, dass etwa eine Milliarde Menschen ihre Notdurft im Freien verrichten müssen, hat gravierende gesundheitliche Auswirkungen bis hin zu zahlreichen Todesfällen als Folge von Durchfallerkrankungen. Es geht aber auch um die menschliche Würde und dies vor allem von Mädchen und Frauen, wenn sie ihre Notdurft an Stellen verrichten müssen, die von anderen Menschen einsehbar sind. 

Bis 2020 eine erhebliche Verbesserung der Lebensbedingungen von mindestens 100 Millionen Slumbewohnern herbeiführen 

Dieses Millenniums-Entwicklungsziel war– so ist inzwischen international weitgehend anerkannt – bei Weitem nicht ambitioniert genug. Es gibt schätzungsweise eine Milliarde Menschen, die in Slums oder in slumähnlichen Wohnverhältnissen leben. Das 2000 formulierte Ziel bedeutet, dass lediglich ein Zehntel von ihnen erheblich bessere Lebensverhältnisse erhalten sollen. Dieses wenig ambitionierte Ziel ist bereits jetzt deutlich übertroffen worden, weil sich seit 1990 die Wohn-, Wasser- und Sanitärverhältnisse von mehr als 200 Millionen Menschen verbessert haben.

Anteil der in Slums lebenden Stadtbewohner in den Jahren 2002 und 2012

Der Anteil der städtischen Bevölkerung in Entwicklungsländern, die in Slums leben, hat sich von 1990 bis 2012 von 46,2 % auf 32,7 % vermindert. Als Folge des Bevölkerungswachstums und der zunehmenden Urbanisierung hat sich in dieser Zeit aber die absolute Zahl der Slumbewohner trotzdem um mehr als 200 Millionen erhöht.

Besonders kritisch ist die Situation in Ländern, in denen gewaltsame Konflikte ausgetragen werden. Hier flüchten Hunderttausende aus umkämpften ländlichen Gebieten in die Städte, und gleichzeitig verarmen größere städtische Bevölkerungsgruppen. 

8. Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft

Ein offenes, regelgestütztes, berechenbares und nicht diskriminierendes Handels- und Finanzsystem weiterentwickeln. Dies umfasst ein Bekenntnis zu guter Regierungsführung, Entwicklung und Armutsminderung auf nationaler und internationaler Ebene.

Öffentliche Entwicklungshilfe aus den OECD/DAC-Ländern 2000-2012

2013 belief sich die öffentliche Entwicklungshilfe nach UN-Berechnungen auf insgesamt 134,8 Milliarden Dollar, das entsprach 0,3 % des Bruttonationaleinkommens aller entwickelten Länder. Damit sind die entwickelten Länder noch weit von dem international angestrebten Ziel entfernt, 0,7 % Bruttonationaleinkommens für Entwicklungsaufgaben zur Verfügung zu stellen. Nur vier Länder erreichen oder überschreiten diesen Zielwert (Dänemark, Luxemburg, Norwegen und Schweden). In vielen anderen entwickelten Ländern stagnieren die Etats für Entwicklungsaufgaben oder sind sogar deutlich zurückgegangen. Besonders problematisch ist, dass die bilaterale Hilfe für die am wenigsten entwickelten Länder seit 2010 deutlich abgenommen hat und nach UN-Prognosen weiter zurückgehen wird.

Ein offenes, regelgestütztes, berechenbares und nichtdiskriminierendes Handels- und Finanzsystem weiterentwickeln 

Die Verhandlungen über ein neues internationales Handelsabkommen (Doha-Verhandlungen) stagnieren seit Jahren. Der wichtigste Grund dafür ist, dass die Interessen der einzelnen Staaten und Staatengruppen sehr unterschiedlich sind, ebenso die Interessen von Wirtschaftszweigen innerhalb der einzelnen Volkswirtschaften. 

So versuchen zum Beispiel die Interessenvertreter der Landwirtschaft in der EU zu verhindern, dass der europäische Markt durch Zollsenkungen stärker für Importe aus anderen Ländern geöffnet wird. Gleichzeitig hat die Industrie der EU ein Interesse daran, ungehindert die Märkte anderer Weltregionen erobern zu können. Auch zwischen Entwicklungsländern gibt es Interessenunterschiede, zum Beispiel zwischen den Ländern mit großer exportstarker Agrarwirtschaft und Ländern mit kleinbäuerlichen Betrieben, die bei völlig liberalisierten Märkten keine wirtschaftliche Zukunft hätten. 

Den besonderen Bedürfnissen der am wenigsten entwickelten Länder Rechnung tragen 

In den letzten zehn Jahren haben die Entwicklungsländer und vor allem die am wenigsten entwickelten Ländern einen besseren Zugang zu den Märkten der entwickelten Länder erhalten. 2012 wurden auf etwa 84 % der Exporte aus den am wenigsten entwickelten Ländern in Industrieländer keine Zölle erhoben. 

Vor allem bei Agrarerzeugnissen profitieren die am wenigsten entwickelten Länder davon, dass für sie die Zölle der Industriestaaten deutlich niedriger sind als für andere Entwicklungsländer. Die Länder des Südens fordern eine weitere Öffnung der Märkte der Industriestaaten auch für Fertigwaren und für jene Agrarprodukte, die bisher mit hohen Zöllen belegt werden. Der Textil- und Bekleidungssektor zeigt, dass eine solche Zollpolitik den ärmsten Ländern neue Exportmöglichkeiten eröffnen kann. 

Die Verschuldungsprobleme der Entwicklungsländer umfassend angehen 

Die Forderungen der Entwicklungsländer und zahlreicher Initiativen in aller Welt haben dazu geführt, dass in den zurückliegenden Jahren ernsthafte und erfolgreiche Bemühungen unternommen wurden, die Überschuldung wirtschaftlich armer Länder abzubauen, vor allem dadurch, dass Schulden erlassen wurden. 

Höhe des Auslandsschuldendiensts im Verhältnis zu den Exporteinnahmen für alle Entwicklungsländer 2000-2011

Ein Indikator für den Grad der Verschuldung ist das Verhältnis von Auslandschuldendiensten im Verhältnis zu den Exporteinnahmen. Mussten die Entwicklungsländer im Jahre 2000 noch 12 % ihrer Exporteinnahmen für den Schuldendienst aufwenden, so waren es 2012 nur noch 3,1 %. Die Belastung stagniert allerdings seit mehreren Jahren auf diesem Niveau. 

In Zusammenarbeit mit dem Privatsektor dafür sorgen, dass die Vorteile der neuen Technologien, insbesondere der Informations- und Kommunikationstechnologien, genutzt werden können 

Bis Ende 2014 gab es annährend 7 Milliarden Mobilfunkanschlüsse, rechnerisch etwa einen Anschluss je Mensch auf der Erde, wobei es aber in wohlhabenden Ländern zahlreiche Einwohner mit mehr als einem Anschluss gibt, während viele Armen in Entwicklungsländern sich kein Handy leisten können. Dennoch konnte die digitale Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern auf diesem Gebiet stark vermindert werden. 

Auch beim Internetzugang haben die Entwicklungsländer aufgeholt. Inzwischen leben zwei Drittel aller Internetnutzer in Entwicklungsländern. Zwar haben in Afrika lediglich annähernd 20 % der Einwohner einen Internetzugang. Aber dieser Wert ist doppelt so hoch wie im Jahre 2010. Da die Wachstumsraten in Afrika und anderen Regionen des Südens der Welt mehr als doppelt so hoch sind wie in Industrieländern, wird der Abstand bei der Nutzung des Internets in den nächsten Jahren rasch abnehmen. Ein Problem in vielen Entwicklungsländern stellt weiterhin der unzureichende Zugang zu Festnetz- und Mobil-Breitbandnetzen dar, gekoppelt mit gemessen am Durchschnittseinkommen hohen Kosten. 

Internet-Links

Ziel 1

Beseitigung der extremen Armut und des Hungers

Brot für die Welt
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Deutsche Welthungerhilfe
Food and Agriculture Organization of the United Nations
Misereor
International Fund for Agricultural Development
United Nations Development Programme
World Food Programme

Ziel 2

Verwirklichung der allgemeinen Primärschulbildung

terre des hommes
United Nations Children’s Fund
United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization

Ziel 3

Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und Ermächtigung der Frau

Terre des Femmes
UN Women
United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization

United Nations International Research and Training Institute for the Advancement of Women
United Nations Population Fund

Ziel 4

Senkung der Kindersterblichkeit

terre des hommes
World Health Organisation

Ziel 5

Verbesserung der Gesundheit von Müttern

World Health Organisation

Ziel 6

Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und anderen Krankheiten

UNAIDS
World Health Organisation

Ziel 7

Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit

United Nations Environmental Programme
World Meteorological Organization
World Tourism Organization

Ziel 8

Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft

International Labour Organization
International Monetary Fund
International Telecommunication Organization
United Nations Conference on Trade and Development
United Nations Development Programme
United Nations Industrial Development Organization
World Bank
World Trade Organization

Bewertung der MDGs

Auf dieser Seite finden Sie eine Bewertung der Millenium-Entwicklungsziele. Die Bewertung enthält eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse des Berichts "Milleniums-Entwicklungsziele 2014" des UN-Generalsekretärs Ban-ki-moon. Ergänzt wird diese Bewertung durch die Berichterstattung über die Vorstellung des letzten Berichts über die Umsetzung der Millennium-Entwicklungsziele, die am 6.Juli 2015 in Berlin stattfand.

Hinweis: Wenn Sie auf die Schaubilder der Seite klicken, werden sie größer dargestellt. Die Schaubilder sind dem Bericht der Vereinten Nationen "Millenniums-Entwicklungsziele 2014" entnommen.

UNDP-Fotowettbewerb zu den Millenniums-Entwicklungszielen