Grüne Wirtschaft

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Was ist Grüne Wirtschaft?

Das UN-Umweltprogramm (UNEP) definiert Grüne Wirtschaft als "eine Wirtschaft, die menschliches Wohlergehen steigert und mehr Gerechtigkeit schafft, während gleichzeitig Umweltrisiken und ökologische Knappheiten erheblich verringert werden." In ihrer Green Economy Initiative definiert UNEP drei Komponenten:

  • Eine ökologische und ressourcenschonende Wachstumsstrategie durch gezielte "grüne Investitionen", z.B. in erneuerbare Energien, Maßnahmen zur Stärkung der Ressourceneffizienz, die zu mehr sozialer Gerechtigkeit führt.
  • Durch nachhaltige Investitionen sollen sogenannte Ökosystemdienstleistungen, wie zum Beispiel die Bereitstellung von Trink- und Süßwasser, frischer Luft und anderer Naturgüter, einen Marktwert bekommen, der sich in entsprechenden Preisen widerspiegelt. Dadurch sollen Wachstum und verschwenderischer Ressourcenverbrauch entkoppelt werden.
  • Die drei Säulen der Nachhaltigkeit - Ökonomie, Ökologie und Soziales - dürfen nur noch gemeinsam betrachtet und müssen ausbalanciert werden.
Offshore-Windpark in der Nordsee
Foto: BMU/Thorsten Falk

In seinem Bericht "Towards a Green Economy" analysiert das Umweltprogramm UNEP die positiven Effekte einer umwelt- und ressourcenschonenden Investitionsstrategie: Verstärkte umweltbezogene Investitionen in zehn Schlüsselsektoren (Landwirtschaft, Bauwesen, Energieversorgung, Fischerei, Forstwirtschaft, Industrie, Tourismus, Transportwesen, Abfall- und Wasserwirtschaft) führen neben Wirtschaftswachstum auch zu mehr Beschäftigung und sozialer Gerechtigkeit. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) betont, dass eine Grüne Wirtschaft in Entwicklungsländern zwischen 15 und 60 Millionen Arbeitsplätze schaffen könnte. Ähnlich positiv äußern sich auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die Handels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD) mit ihrer Initiative "Der Weg zu Rio+20: Für eine entwicklungsgeleitete Grüne Wirtschaft". Auch die hochrangige Nachhaltigkeitskommission des UN-Generalsekretärs, spricht in ihrem Bericht von grünem Wachstum als Katalysator für nachhaltige Entwicklung. Grünes Wachstum wird von ihr als eine langfristige Wachstumsstrategie definiert, die soziale und ökologische Kosten mit einbezieht und sicherstellt, dass Investitionen den Grundstein für eine bessere nachhaltige Entwicklung in der Zukunft legen.

Kritik am Konzept der Grünen Wirtschaft

Babara Unmüßig von der Heinrich-Böll-Stiftung bezeichnet die grüne Wirtschaft nach UNEP und OECD in ihrem Beitrag für die Zeitschrift VEREINTE NATIONEN als Konzept mit begrenzter Reichweite: „Es ist nichts, das den konventionellen Imperativ nach Wachstum grundsätzlich in Frage stellte." UNEP grenze sein Konzept nicht deutlich genug von traditionellen nicht-nachhaltigen Wachstumsstrategien ab. Oliver Hoedeman, Co-Direktor des Corporate Europe Observatory, bezeichnet die Grüne Wirtschaft als „greenwashing" des bisherigen Wirtschaftssystems.

Da in der gegenwärtigen Interpretation des Drei-Säulen-Modells der Nachhaltigkeit die Säule des Wirtschaftlichen überbetont sei, seien fundamentale Änderungen notwendig. Die Leitkonzepte des Wirtschaftssystems und die Indikatoren der Entwicklungsmessung müssten sich verändern. Es wird gefordert, dass Fiskal- und Steuerpolitik soziale Ungleichheit abbauen muss, zugleich durch Besteuerung umwelt- und energieverbauchsintensiver Bereiche Umweltschäden vermieden werden und nachhaltiges Wirtschaften gefördert wird. Dafür würden Veränderungen von Institutionen und Regierungsmechanismen auf globaler Ebene benötigt. Sonst würde "unter dem Siegel von 'Nachhaltigkeit' das Business as usual ungerührt fortgesetzt werden." , so das Wuppertal Institut.

Die Wachstums-Debatte

Kein Land kann sich nachhaltig entwickeln, wenn sich nicht auch seine Art und Weise zu wirtschaften ändert. Zu diesem Schluss kommt der Abschlussbericht des High-Level-Panels, der den UN-Generalsekretär während der Verhandlungen des Post-2015-Prozesses unterstützte. Nachhaltigkeit bedeutet, ein Gleichgewicht zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten zu schaffen. Durch die zunehmende Globalisierung von Wirtschaftsprozessen und die Liberalisierung des Handels, steht die Welt vor großen Herausforderungen. Diese sind auch durch die Weltwirtschaftskrise 2008 verstärkt wahrnehmbar geworden, in Folge derer sich auch im Globalen Norden die Einkommensungleichheit extrem verstärkt hat. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte lassen an der These zweifeln, dass der Wohlstand der Reichen früher oder später auch zu anderen Teilen der Gesellschaft durchdringt, was einen Vertrauensverlust in das System nach sich führt, der unter anderem die Kritik an einem kontinuierlichen Wirtschaftswachstum stärker hat werden lassen. Zuletzt haben in Deutschland die Beiträge der Journalistin und Globalisierungskritikerin Naomi Klein für eine öffentliche Debatten über das Ende des Wachstums-Paradigmas gesorgt. 

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