Menschen mit Behinderung

Menschenrechte gelten für alle. Natürlich auch für Menschen mit Behinderung. Leider ist dieses Selbstverständnis keine politische Realität.

Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderung

Deswegen hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 13. Dezember 2006 das “Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen” (Convention on the Rights of Persons with Disabilities - CRPD) beschlossen. Das Menschenrechtsübereinkommen ist am 3. Mai 2008 in Kraft getreten. Die Konvention wurde gemeinsam mit Menschen mit Behinderung konzipiert, bisher von 159 Staaten, darunter auch Deutschland, unterzeichnet und ist somit rechtsgültig. In der Konvention wird unter anderem gefordert, bestehende Barrieren abzubauen, Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und ein Recht auf Bildung, Erziehung und auf Arbeit sicherzustellen.

Eine Milliarde Menschen

Weltweit leben etwa eine Milliarde Menschen mit Behinderung. Das entspricht 15% der Weltbevölkerung. In Entwicklungsländern leben 80 % der Menschen mit Behinderung von weniger als einem Euro pro Tag. Gleichzeitig haben 20 % der ärmsten Menschen auf der Welt eine Behinderung. Diese Zahlen zeigen zu einem gewissen Grad einen wechselseitigen Zusammenhang zwischen Armut und Behinderung. Einerseits verursachen die Lebensbedingungen in Entwicklungsländern durch Mangelernährung und/oder unzureichende Gesundheitsversorgung oftmals Behinderungen. So muss ca. alle 30 Sekunden einem Menschen wegen Diabetes ein Körperteil amputiert werden. Auch Kampfmittel wie Landminen, aus aktuellen sowie aus vergangenen Kriegen und Konflikten, sind oftmals Gründe einer Behinderung, wenn die Betroffenen die Explosion überhaupt überleben. Schätzungsweise alle 20 Minuten detoniert auf der Welt eine Landmine und tötet oder verstümmelt Menschen. Meist Zivilisten, ein Drittel aller Minenopfer sind Kinder. Andererseits sind Menschen mit Behinderung in vielen Ländern besonders drastisch durch Armut gefährdet, da es für sie häufig weder Schul- noch Ausbildungsangebote gibt. 98 % aller behinderten Kinder in Entwicklungsländern gehen nicht in die Schule. In Folge der fehlenden Bildung und Ausbildung fehlen vielen Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten, um ein selbstbestimmtes, würdevolles Leben gestalten zu können.

Inklusion in Deutschland?

In Deutschland leben aktuell ca. 10 Millionen und damit ca. 12,2 % der Gesamtbevölkerung mit Behinderung. Zwar gibt es in Deutschland bereits Regeln und Gesetze zu Inklusion, allerdings kritisieren Behindertenorganisationen, dass diese für eine wirklich inklusive Gesellschaft bei weitem nicht ausreichen. Kritik gab es von „Netzwerk Artikel 3 e.V.“ auch an der deutschen Übersetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, da diese fast ohne Beteiligung behinderter Menschen und ihrer Verbände abgestimmt wurde. Im Jahr 2009 hat „Netzwerk Artikel 3 e.V.“ sich daher dazu entschlossen, eine Schattenübersetzung der Konvention anzufertigen, um zur Bewusstseinsbildung beizutragen und um zu verdeutlichen, dass behinderte Menschen und ihre Organisationen in allen Phasen der Umsetzung und Überwachung der Behindertenrechtskonvention eng und aktiv einzubeziehen sind.