Jugend

Die Vereinten Nationen definieren Jugend (bzw. junge Menschen) als Personen zwischen 15 und 24 Jahren. Junge Menschen stellen derzeit ungefähr 18 % (ca. 1,15 Milliarden) der Weltbevölkerung dar. Neben der Altersgruppe ‚Jugend’ machen Kinder unter 15 Jahren 30 % der gesamten Weltbevölkerung aus. Wenn diese beiden Gruppen zusammengenommen werden, bilden Menschen unter 24 Jahren fast die Hälfte der Weltbevölkerung. Während sich das Wachstum des gemeinsamen Anteils dieser beiden Gruppen in den letzten zehn Jahren verlangsamt hat, gibt es in absoluten Zahlen mehr junge Menschen als je zuvor. Von allen Jugendlichen weltweit leben 85 % in Entwicklungsländern.

Jugend und die Vereinten Nationen

Die Vereinten Nationen erklärten das Jahr 1985 zum Internationalen Jahr der Jugend, das die Grundlagen für soziale und politische Überlegungen in Jugendfragen schaffte. Zehn Jahre danach verabschiedete die Generalversammlung eine weltweite Jugendpolitik, die als Weltaktionsprogramm für die Jugend bis zum Jahre 2000 und darüber hinaus [World Programme of Action for Youth to the year 2000 and beyond (WPAY)] formuliert wurde und auch heute noch den Referenzrahmen internationaler Jugendpolitik bildet. Dieses Aktionsprogramm will Regierungen dazu bringen, stärker auf die Hoffnungen der Jugend für eine bessere Welt sowie auf die Forderungen der Jugend zu setzen, als Teil der Lösung und nicht als Teil des Problems angesehen zu werden.

Andreas Deutinger (Jugenddelegierter 2011/2012) bei seiner Rede vor den Vereinten Nationen

Jugendpolitik in Deutschland

Kinder- und Jugendpolitik überlappen sich in Deutschland auch auf Grund der vielen unterschiedlichen Definitionen, die teilweise stark bezüglich der definierten Altersspanne variieren. Eine Altersdefinition, in der Jugendliche von 14 bis 25 Jahre gelten, überschneidet sich mit der Definition von Kindern in der Kinderrechtskonvention (bis 18 Jahre). Daher gelten viele der Defizite, die für Kinder noch zu realisieren sind auch für Jugendliche. Trotzdem gilt, dass Kinder, Jugendliche und junge Menschen unterschiedliche Bedürfnisse, unterschiedliche Positionen in der Gesellschaft und unterschiedliche Probleme haben.

Starke Verbände, starke Jugend @DBJR
Logo der Kampagne: Starke Verbände, starke Jugend des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR)

Zusätzlich zu unzureichender Inklusion junger Menschen mit Behinderung und Diskriminierung von jugendlichen Flüchtlingen und Migranten, ist das Thema der Jugendarbeitslosigkeit in Europa seit Beginn der Krise in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Der Deutsche Bundesjugendring forderte daher gemeinsam mit anderen Jugendorganisationen die Einführung einer Jugendgarantie auf EU-Ebene, die sich mittlerweile in der Umsetzung befindet. Ein weiterer Bereich der deutschen Jugendpolitik, der immer wieder kritisiert wird, ist die fehlende Partizipation von Jugendlichen. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hat aufgezeigt, dass Jugendliche sowohl in der Familie, als auch in der Schule und auf kommunaler Ebene kaum beteiligt werden. Findet Beteiligung statt, dann vor allem in den Bereichen, die die Eltern, das Lehrpersonal, die Politiker kaum oder gar nicht betreffen. Die Beteiligung von Jugendlichen in Deutschland betrifft oftmals nur Nebensächlichkeiten. Aus diesem Grund ist auch für Deutschland das WPAY von Relevanz. Es dient nicht nur Regierungen als eine internationale Strategie der Jugendpolitik, sondern bietet auch Jugendlichen und Jugendorganisationen die Möglichkeit, ihre Forderungen gegenüber der eigenen Regierung zu vertreten.

Das UN-Jugenddelegiertenprogramm

UN-Jugenddelegiertenprogramm
Das Logo der UN-Jugenddelegierten

Das Jugenddelegiertenprogramm ist unter der Trägerschaft der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) und des Deutschen Nationalkomitees für internationale Jugendarbeit (DNK).

Was machen die Jugenddelegierten?

Die beiden paritätisch besetzten Jugenddelegierten verstehen es als ihre Aufgabe, den in Deutschland lebenden Jugendlichen bei der Generalversammlung und der Sozialentwicklungskomission der Vereinten Nationen eine Stimme zu geben. Die einjährige Amtszeit besteht hauptsächlich aus zwei Teilen: Zunächst gehen die Jugenddelegierten auf Deutschlandtour, bei der die Meinungen, Visionen und Forderungen von Jugendlichen in Deutschland gesammelt werden. Anschließend begleiten sie die deutsche Delegation zur UN-Generalversammlung und zur Sozialentwicklungskommission nach New York, um dort den Interessen der Jugendlichen Gehör zu verschaffen.

Wenn ihr euch bewerben oder mehr über das Jugenddelegierten-Programm erfahren wollt, dann besucht die Homepage der Jugenddelegierten!

Nicht nur Deutschland hat UN-Jugenddelegierte

Jugenddelegierte spielen eine wichtige Rolle, um Jugendpartizipation auf internationaler Ebene umzusetzen. Jugendpolitik, die gemeinsam mit Jugendlichen gestaltet wird, hat nicht nur eine stärkere Legitimation, sondern auch bessere Aussichten auf Erfolg. Letztendlich sind Jugendliche Experten in den Politikbereichen, die sie betreffen und haben das größte Interesse an effektiven und nachhaltigen Lösungen.

Leider haben viele Länder der Welt noch keine Jugenddelegierten und auch Deutschland sendet nur zu ausgewählten Konferenzen Jugenddelegierte. Aus diesen Gründen wurden im ‚Weltaktionsprogramm für das Jahr 2000 und darüber hinaus' "die Mitgliedsstaaten aufgefordert, ‚Repräsentanten der Jugend in ihre nationalen Delegationen zur Generalversammlung und anderen relevanten Treffen der Vereinten Nationen mit aufzunehmen, um so die Kommunikationskanäle bei jugendrelevanten Diskussionen zu stärken und Lösungen zu Problemen zu finden, mit denen Jugendlichen in der heutigen Welt konfrontiert sind."

World Programme of Action for Youth

Das WPAY beschreibt zehn prioritäre Bereiche für die Jugendentwicklung: Armut, Bildung, Beschäftigung, Gesundheit, Umwelt, Drogen, Jugendkriminalität, Freizeit, Gender und Beteiligung an der Entscheidungsfindung. Die Mitgliedsstaaten der UN haben sich moralisch verpflichtet, in allen zehn Bereichen politische Maßnahmen und Programme umzusetzen. Die Welt verändert sich, und damit verändern sich auch die Themen, mit denen junge Menschen sich befassen.

Deshalb ergänzte 2003 das Sekretariat der Vereinten Nationen dieses Programm um fünf neue Themen, zu denen Globalisierung, Informations- und Kommunikationstechnik, HIV/AIDS, Jugend in bewaffneten Konflikten und die Beziehungen zwischen den Generationen zählen. Seit Verabschiedung des WPAY erstellt der UN-Generalsekretär im Auftrag der UN Generalversammlung alle zwei Jahre einen Bericht zum Thema Jugend. Dabei handelt es sich um eine Art Bestandsaufnahme über die Fortschritte, die bereits erzielt werden konnten, außerdem werden Maßnahmen empfohlen, die die Staaten in Zukunft ergreifen sollen. Der Bericht gliedert sich in drei große Felder: Jugend in einer globalen Wirtschaft, Jugend in der Zivilgesellschaft und Jugend in Gefahr. Der letzte Bericht stammt aus dem Jahr 2013.