Zur Geschichte der Entwicklungszusammenarbeit

Obwohl das Konzept der Entwicklung eine lange ideengeschichtliche Tradition hat, wurde es als Konzept erst nach dem Zweiten Weltkrieg politisch wirkmächtig. Als ein einschlägiges Datum wird oft die zweite Antrittsrede des Präsidenten der USA, Harry S. Truman im Jahr 1949 genannt. In dieser Rede versprach er den Menschen in unterentwickelten Gebieten, ihnen durch Kapitalinvestitionen und technischen Fortschritt zu einem besseren Leben zu verhelfen.

Von einer Idee zu den Institutionen

Für Truman war die Entwicklungshilfe vor allem ein nützliches Instrument im Kampf gegen den erstarkenden Kommunismus und seiner Unterteilung in entwickelte und unterentwickelte Staaten wohnt noch klar der Geist des Kolonialismus inne. Dennoch, Trumans Rede führte dazu, dass Entwicklungshilfe ein Teil der nordamerikanischen und europäischen Politik der späten 1940er und frühen 1950er Jahren wurde und auch dazu, dass zahlreiche internationale Organisationen in diesem Bereich entstanden. Die Weltbank, die am 27.12.1945 gegründet wurde und zunächst Staaten unterstützen sollte, die vom Krieg zerstört waren, erweiterte 1960 ihr Tätigkeitsfeld durch die Gründung der Internationalen Entwicklungsorganisation (IDA). Außerdem entstand auch unter dem Dach der Vereinten Nationen ein bedeutendes Netz von Entwicklungsorganisationen. So wurden u.a. die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO, die Weltgesundheitsorganisation WHO, das Kinderhilfswerk UNICEF, das Entwicklungsprogramm UNDP sowie die Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur UNESCO gegründet. Dadurch wurde Entwicklung zu Zeiten der Dekolonialisierung weiter internationalisiert und institutionalisiert. Zwar wurde die Idee von Entwicklung im Rahmen dieser Internationalen Organisationen zunächst vor allem von europäischen und nordamerikanischen Interessen geprägt, allerdings führte die Dekolonialisierung zur wachsende Präsenz der entkolonialisierten Entwicklungsländer in Internationalen Organisationen und somit u.a. auch zu Neugründungen zahlreicher UN-Organisationen, die ein Gegengewicht zu den bisherigen Institutionen der Entwicklungshilfe bilden sollten.

Entwicklungszusammenarbeit in der Kritik

Trotzdem blieb diese Partnerschaft für Entwicklung eine ungleiche Beziehung, vor allem, weil Expertise, Wissen um Technologien und Informationen vor allem von den „entwickelten“ an die „unterentwickelten“ Länder weitergegeben wurde. In den 1980er Jahren etablierte die Weltbank mit ihren makroökonomischen Strukturanpassungsprogrammen eine Politik der Effizienzsteigerung und Flexibilisierung der afrikanischen Ökonomien. Ziel war es, dass durch Abwesenheit staatlicher Intervention die optimierende Wirkung des Marktes besser zum Tragen kommen kann. Allerdings wurde diese Hoffnung nur selten erfüllt, stattdessen lieferte die marktorientierte Entwicklungszusammenarbeit bis in die 1990er Jahre häufig negative Resultate.

Entwicklungszusammenarbeit abschaffen?

Trotz der teilweise negativen Resultate der Entwicklungszusammenarbeit darf jedoch nicht vernachlässigt werden, dass sie doch auch immer wieder in der Lage war, Lebensumstände vor Ort konkret zu verbessern. Entwicklungszusammenarbeit muss offen für die vielfältige Kritik bleiben und ihren Kurs immer wieder prüfen und überdenken. Verallgemeinerungen in der Bewertung von Entwicklungszusammenarbeit sind nicht zielführend. Stattdessen muss sie kritisch analysiert werden, damit umfassend geprüft werden kann, wem welche Programme in welchem Umfang helfen und wie man eventuelle Fehlentwicklungen verhindern kann.

Die Ära Internationaler Zielsetzungen

Seit der Verabschiedung der Millenniumserklärung und der Etablierung der Millennium Development Goals (MDGs) im Jahr 2000, bildeten die acht Milleniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen den Rahmen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Diese Ziele werden ab 2015 von neuen Zielen abgelöst. Die Sustainable Development Goals (SDGs), die im September 2015 von den Staats- und Regierungschefs im Rahmen der UN-Generalversammlung verabschiedet werden, verfolgen einen neuen entwicklungstheoretischen Ansatz. Die Ziele für Nachhaltige Entwicklung werden erstmals universelle Gültigkeit haben. Das bedeutet, dass sie für alle Länder gelten, nicht nur für die Entwicklungsländer des Südens. Außerdem soll der Ansatz auf einem breiteren Verständnis nachhaltiger Entwicklung basieren und weltweit den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Dimensionen von Nachhaltigkeit in ausgewogener Weise Rechnung tragen.

 

 

Das Recht auf Entwicklung

Das Recht auf Entwicklung

Das Recht auf Entwicklung, Artikel 1

"Das Recht auf Entwicklung ist ein unveräußerliches Menschenrecht, kraft dessen alle Menschen und Völker Anspruch darauf haben, an einer wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Entwicklung, in der alle Menschenrechte und Grundfreiheiten voll verwirklicht werden können, teilzuhaben, dazu beizutragen und daraus Nutzen zu ziehen."

Artikel 1, Erklärung der UN-Generalversammlung über das Recht auf Entwicklung

Verpflichtung zur internationalen Zusammenarbeit, Artikel 3

"Die Staaten haben die Pflicht, miteinander zusammenzuarbeiten, um Entwicklung herbeizuführen und Entwicklungshindernisse zu beseitigen. Die Staaten sollten ihre Rechte so wahrnehmen und ihren Pflichten so nachkommen, dass hierdurch eine neue internationale Wirtschaftsordnung auf der Grundlage der souveränen Gleichheit, der Interdependenz, der gemeinsamen Interessen und der Zusammenarbeit zwischen allen Staaten sowie die Wahrung und Verwirklichung der Menschenrechte gefördert werden."

Artikel 3, Erklärung der UN-Generalversammlung über das Recht auf Entwicklung

Entwicklungspolitik, Artikel 4

(1) "Die Staaten haben die Pflicht, einzeln und gemeinschaftlich Maßnahmen zur Aufstellung internationaler Entwicklungspolitiken zu ergreifen, die darauf gerichtet sind, die volle Verwirklichung des Rechts auf Entwicklung zu erleichtern."

(2) "Zur Förderung einer rascheren Entwicklung der Entwicklungsländer sind konsequente Maßnahmen erforderlich. Ergänzend zu den Anstrengungen der Entwicklungsländer ist eine wirksame internationale Zusammenarbeit unerlässlich, damit diese Länder die geeigneten Mittel und Einrichtungen erhalten, um ihre umfassende Entwicklung weiter vor­antreiben zu können."

Artikel 4, Erklärung der UN-Generalversammlung über das Recht auf Entwicklung

UN-Basis-Informationen "Entwicklungszusammenarbeit der Vereinten Nationen"

Wer mehr zur Geschichte der UN-Entwicklungszusammenarbeit lesen möchte: Unsere UN-Basis-Information "Entwicklungszusammenarbeit der Vereinten Nationen" gibt einen guten Überblick über Struktur, Geschichte und Institutionen.