Entwicklungszusammenarbeit

Der Begriff der Entwicklung

Unter Entwicklungszusammenarbeit werden im alltäglichen Sprachgebrauch meist Maßnahmen verstanden, die den Zweck haben, weltweite Unterschiede in der sozio-ökonomischen Entwicklung abzubauen und die Lebensbedingungen vor Ort dauerhaft und nachhaltig zu verbessern.

Die Vereinten Nationen haben sich bei ihrer Gründung in Artikel 1 Absatz 3 der UN-Charta verpflichtet,

"eine internationale Zusammenarbeit herbeizuführen, um internationale Probleme wirtschaftlicher, sozialer, kultureller und humanitärer Art zu lösen und die Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten für alle ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder der Religion zu fördern und zu festigen;"

Auf Basis dieser breit angelegten Zielsetzung engagieren sich die Vereinte Nationen bereits seit ihrer Gründung in der Entwicklungszusammenarbeit, deren Verständnis sich jedoch im Laufe der Zeit immer wieder veränderte.

Auf den Seiten der DGVN wird der Begriff "Entwicklungszusammenarbeit" benutzt, wenn gleich der Begriff "Entwicklung" von vielen Wissenschaftlern und Experten als schwierig betrachtet wird. Kritikpunkte an dem Begriff der "Entwicklung" sind unter anderem seine hegemoniale Ausprägung als eurozentristisch oder autoritär.

Eurozentristisch, weil der soziale Wandel in Westeuropa, Nordamerika und Japan als gegebener Fortschritt menschlicher Entwicklung angesehen wird. Autoritär, von Experten, die die Meinung vertreten, dass Denkmodelle der Kolonialzeit weitergeführt wurden. Demnach gab es in der Kolonialzeit das Projekt der Zivilisierung der Unzivilisierten, so wurde dieses Paradigma in der Nachkriegszeit abgelöst durch die Entwicklung der Unterentwickelten.

Wie soll sich eine Gesellschaft entwickeln?
Wie soll sich eine Gesellschaft entwickeln? Foto Eric Kanalstein

Auch die unkritische Koppelung der Begriffe Wachstum und Entwicklung zu einem marktliberalen Credo wird häufig kritisiert. Die Kritiker führen an, dass die Gründe für die Probleme globaler Ungleichheiten komplexer sind, als der ihrer Meinung nach entpolitisierte Begriff der "Entwicklung" vermuten lässt. Strukturelle Gründe für die komplexe Entstehung globaler Ungleichheiten finden sich ihrer Meinung nach unter anderem im Privileg oder Nachteil einer bestimmten Staatsbürgerschaft, in dem damit einhergehenden Anspruch auf Rechte oder in herrschender Rechtlosigkeit, in den Auswirkungen internationaler Arbeitsteilung (Rohstoffexporteur vs. Konsumgüterexporteur) und dem damit einhergehenden Bedeutungsverlust von bestimmten Regionen und Wirtschaftszweigen. Auch (Agrar-)Subventionen wie diejenigen der Europäischen Union und bestimmte Regelungen in Freihandelsabkommen führen demnach zu strukturellen Bedingungen, die globale Ungleichheit fördern.

Seit der Krise der Entwicklungstheorie in den 1980er Jahren sind eine Reihe neuer Konzepte erdacht worden. Unter anderem hat sich unter dem Namen „Post-Development“ ein Ansatz herausgebildet, dessen Vertreter vereinzelt die Abschaffung von Entwicklungstheorie und -praxis fordern. Diese fundamentale Infragestellung hat vehementen Widerspruch ausgelöst. Allerdings hat die Debatte jedoch zu einer Transformation des Entwicklungsdiskurses geführt.

Trotz der angeführten Kritik werden in der öffentlichen Debatte jedoch auch heute noch fast ausschließlich die Begriffe "Entwicklungspolitik", "Entwicklungszusammenarbeit" und "Entwicklung" genutzt. Der Begriff der "Entwicklungshilfe" verschwindet allerdings mehr und mehr.  Aus diesem Grund werden diese Begriffe auch im Rahmen der DGVN-Homepage verwendet – wir hoffen, dass unsere Leserinnen und Leser die Kritik an dem Begriff beim Lesen unserer Artikel im Hinterkopf behalten und die Informationen auf dieser Seite Ihnen helfen werden, sich eine eigene Meinung zu dem Thema zu bilden und den Begriff kritisch zu hinterfragen.

Der Weltentwicklungsbericht der Weltbank

Der Weltentwicklungsbericht (World Development Report) wird seit 1978 jährlich von der Weltbank herausgegeben. Er beinhaltet Analysen und Politik-Empfehlungen zu jeweils einem für die aktuelle Entwicklungsdiskussion bedeutsamen Thema – von der Landwirtschaft über Arbeitsmärkte, Infrastruktur und Gesundheit bis hin zu Umwelt, Armut und Konflikten.

Neben dem Bericht über die menschliche Entwicklung (Human Development Report) des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) ist der Weltentwicklungsbericht eines der entwicklungspolitischen Standardwerke, das mit Analysen und Informationen die entwicklungspolitische Diskussion prägt.

Seit November 2010 sind die englischen Weltentwicklungsberichte auch kostenlos im Internet verfügbar.

Weltentwicklungsberichte seit 2001: